Blood on Snow: Der Auftrag – Jo Nesbø

Blood on Snow

„Du… du hast dein ganzes Geld der Witwe eines Mannes gegeben,
der jemanden umbringen wollte?“


Inhalt:

Olav ist ein Killer und lebt im Jahre 1977. Seinem Beruf widmet er sein ganzes Leben, denn er hat und braucht nichts anderes. Laut ihm, kann er auch nichts anderes, wobei er in seinem Monolog nur illegale Berufe in Erwägung zieht. Der schwer durchschaubare Norwege arbeitet für Hoffmann, einen der zwei größten Drogenchefs von Norwegen, weshalb er eindeutig alles andere als schlecht verdient. Das scheint ihm jedoch nicht unbedingt wichtig zu sein. Allgemein ist nicht ganz sicher, was ihm wichtig ist, außer seinem Beruf.
Das ändert sich jedoch, als Olav den Auftrag bekommt Hoffmans Frau zu töten oder wie sie es nennen: zu „expedieren“. Der Grund ist ganz einfach: Untreue, weshalb alles ganz klar zu sein scheint, doch das ist es letztendlich ganz und gar nicht, denn der sonst in seinem Beruf fast unfehlbare Olav begeht einen großen Fehler: Er verliebt sich in Corina, die Frau seines Chefs…

Meine Meinung:

Natürlich ist auch dieses Buch wieder Teil der Winter-Read-Challenge und fällt unter die Kategorie: „Winterwonderland“ – Ein Buch mit einem winterlichen / weihnachtlichen Titel.
Weihnachtlich ist der Titel nun nicht, doch winterlich auf jeden Fall, genau wie der Inhalt, der komplett im Winter spielt.

Der norwegische Thriller ist mal etwas komplett Anderes für mich. Es beginnt schon damit, dass der Ich-Erzähler männlich ist, was ich bisher erst in sehr wenigen Bücher hatte, und endet mit der Tatsache, dass dieser Ich-Erzähler ein Killer mit zum Teil gestörter und durch seine Kindheit geprägter Psyche ist. Das Buch ist alleine dadurch, dass man sich eben nicht so leicht in Olav hineinversetzen kann, auf eine gewisse Weise anspruchsvoll und auch inhaltlich würde ich es eher älteren Lesern empfehlen, da immer wieder über irgendetwas philosophiert wird und Morde teilweise ziemlich genau beschrieben werden.
Olav ist eine interessante Persönlichkeit. Man ist sich vor allem am Anfang nicht ganz sicher, ob er jetzt Gefühllos oder einfach psychisch etwas angeknackst ist, da er zum Beispiel kurz nachdem er zwei tödliche Schüsse auf einen Mann abfeuert, über Schneeflocken philosophiert. Ein anderes Beispiel ist die Tatsache, dass er von Beruf regelmäßig Menschen umbringt, ohne mit der Wimper zu zucken, sich jedoch laut seinen eigenen Worten schnell verliebt und niemals Gewalt gegenüber einer Frau anwenden könne. Solche paradoxen Tatsachen tauchen immer wieder auf und machen das Buch und Olav eben so interessant.
Was mich jedoch am Meisten verstört hat, waren so manche Wendungen. Vor allem das Ende war irgendwie erwartet aber doch komplett unerwartet und ließ mich deshalb erst mal mit einem „Wie… Moment halt.. das war’s jetzt? Das muss ich aber verarbeiten.“-Gefühl zurück.
Dadurch, dass es  um die dunkle und illegale Seite Norwegens geht, weiß man nie, wem man jetzt trauen kann und wem nicht, weshalb man jedes Wort genau ließt und sich Gedanken macht: War das jetzt an Anzeichen dafür, dass er/sie ihn tot sehen möchte? Allgemein habe ich mir während des Lesens viele Gedanken gemacht, denn der Thriller ist eindeutig kein Buch, in das man sich einfach locker hineinfallen lassen kann, denn dafür ist schon Olavs Persönlichkeit zu komplex.
Mir gefiel der Schreibstil sehr, denn er passte perfekt zu Olav. Mal waren es kurze einfache Sätze, mal längere kompliziertere, die man womöglich zwei Mal lesen und über sie nachdenken musste. Manchmal kam auch einfach ganz plötzlich etwas total tiefgründiges, was mich stocken und denken ließ: „Mensch… er hat recht.“ („Manchmal sind gute Nachrichten in Wahrheit schlechte.“).
Obwohl das Buch keine 200 Seiten hat und damit deutlich kürzer ist als alles, was ich sonst lese, finde ich, es hätte auch nicht viel länger sein dürfen. Was mir jedoch gefehlt hat, war ein wenig mehr Klarheit über Olavs Psyche und sein Innenleben. Der Autor servierte uns die Information darüber oft nur häppchenweise und ich hätte gerne noch etwas mehr bekommen, denn obwohl Olav von sich selbst bereits auf den ersten Seiten behauptet, er wisse nicht viel, scheint er doch ein unglaubliches Gedächtnis zu haben und seine Persönlichkeit ist sowieso unergründlich, denn man erfährt immer wieder etwas Neues und hat das Gefühl, es ist doch nicht genug. Manchen gefällt es sicher, dass so viel verborgen und der Fantasie überlassen bleibt, doch mich hat es ein wenig gestört. Ich möchte nicht alles wissen, aber eben doch ein wenig mehr.
Weil dieses Buch so anders ist, als das, was ich sonst lese, war es nicht leicht es zu bewerten, denn es hat eine ganz andere Wirkung. Letztendlich habe ich mich jedoch entschieden ihm 4 von 5 Sternen zu geben. Erstens wegen meinem letzten Kritikpunkt und zweitens, weil ich glaube, dass Leute, die sich ungern Gedanken über den Inhalt eines Buches machen und sich lieber fallen lassen, ein wenig Probleme mit dem Buch haben würden. Sonst kann ich es jedoch nur empfehlen, denn es sind schließlich nicht viele Seiten und es ist auf jeden Fall interessant und mal was Neues.

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4 /5
187 Seiten
Verlag: ullstein

Broschiert: 12,99€
Kindle: 9,99€

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2 Gedanken zu “Blood on Snow: Der Auftrag – Jo Nesbø

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