Wait For You – J. Lynn

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„Sobald die Tränen anfingen zu fließen, hörten sie nicht mehr auf.
Ich wurde von tiefen, heftigen Schluchzern geschüttelt,
die es mir schwer machten, zu sprechen oder auch nur zu atmen.
Doch gleichzeitig hatten die Tränen etwas Belebendes –
als sei jede einzelne Träne ein Symbol dafür,
dass ich die Vergangenheit endlich losließ.“


Inhalt:

In West Virginia will Avery Morgansten ein neues Leben beginnen. Weit weg von ihrer Heimat Texas besucht sie ein kleines College, obwohl ihre Eltern sie unbedingt in eines der großen, teuren und bekannten Colleges von Texas hatten stecken wollen. Doch das interessiert sie nicht, denn sie will ihre Vergangenheit, zu der auch Texas gehört, am liebsten vergessen. Ein kleiner Ort, wo keiner sie kennt, scheint da doch die perfekte Lösung.
Und anfangs scheint auch alles darauf hinzudeuten, dass sie ihrer Vergangenheit entfliehen kann. Neue Freunde, niemand der sie verurteilt oder überhaupt etwas über ihre Vergangenheit weiß – und dann ist da natürlich auch noch der unglaublich charmante und gutaussehende Cameron Hamilton. Gut, anfangs sträubt sie sich ein wenig, ihn in ihr Leben zu lassen, doch er windet sich geschickt durch ihre Abwehrversuche und vergisst dabei nicht, sie täglich um eine Date zu bitten.
Auch, wenn Avery eigentlich nur Ruhe will, so zieht es sie doch immer zu dem aufregenden Cam hin, der das genaue Gegenteil von Ruhe darstellt. Als sie dann erneut von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, gerät ihr Leben, das gerade wieder bergauf zu gehen scheint, stark ins Schwanken…

Meine Meinung:

Das Cover:
Das Cover ist hübsch und nicht zu überladen. Es vermittelt einem bereits ein Gefühl für den Inhalt und passt auch dazu, wobei ich etwas schade finde, dass bei Büchern mit solchen Covern oft gedacht wird, es ginge nur um das Eine, weil man sie mit Erotik assoziiert und auch, wenn das eine durchaus große Rolle spielt, so geht es doch um viel mehr und nachdem ich von Isa das Cover eines anderen Landes (ich weiß grade nicht mehr, welches es war, Japan, China?) gezeigt bekommen habe, welches ich als deutlich romantischer und schöner empfinde, muss ich sagen, dass ich das auch gerne bei der deutschen Ausgabe hätte.

Schreibstil:
Dass ich den Schreibstil von J. Lynn – aka Jennifer L Armentrout – mag, sollte meinen Lesern ja bereits bekannt sein. Auch bei „Wait For You“ wurde mir wieder vor Augen gefühlt, dass diese Frau einfach ein Talent für das Schreiben besitzt. Der Roman ist in der Form des Ich-Erzählers aus der Sicht von Avery verfasst und wie so oft schafft J. Lynn es wundervoll, dem Leser die Emotionen, die Avery empfindet, nahe zu bringen und ihn das fühlen zu lassen, was sie fühlt. Was ich eigentlich nur immer wieder sagen kann ist, wie sehr ich bei ihr Liebe, dass ihr Schreibstil so viele Fassetten aus einer Geschichte herausholt. Sie lässt einen beim Lesen eines einzigen Buches lachen, weinen, sich furchtbar fremdschämen und vor Spannung den Atem anhalten.

Story:
Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich zuerst, das Buch wird wohl ziemlich Klischeehaft, habe es aber trotzdem gelesen, da ich weiß, dass J. Lynn gut schreibt – gut geschrieben sind auch Klischee-Romane ganz angenehm – und da ich mal wieder Lust auf so etwas hatte. Letztendlich hat das Buch natürlich klischeehafte Strukturen, doch ich stellte fest, dass es um viel mehr geht und die Geschichte einen ernsten und tiefen Hintergrund hat. Da es sich um einen „Young Adult“ – Roman handelt, ist ein zentrales Thema natürlich Liebe und Erotik, doch wenn es nur darum gehen würde, wäre mir das Buch wohl ziemlich schnell langweilig geworden. Ebenso spielt Problembewältigung und Freundschaft eine zentrale Rolle.
Letztendlich hätte ich vor allem bei einigen kleineren, aber doch wichtigen Handlungssträngen niemals gedacht, dass es so kommen würde, was beim Lesen die Spannung in die Höhe getrieben hat. Auch die bedrohlichen Nachrichten, die sie erhält, sind ein Teil der Story, der eher untypisch ist und der anders ausgeht, als gedacht, um es ohne Spoiler zu sagen.

Charaktere:
Das Buch beinhaltet viele tolle Charaktere. Beginnen wir bei den Protagonisten. Anfangs wusste ich nicht, was ich von Avery halten soll, da ich sie und ihr Verhalten in einigen Situationen als übertrieben und überdramatisiert empfunden habe, doch das hat sich ziemlich schnell wieder geändert, da das nicht einfaches, vom Autor übertriebenes Drama ist, sondern einen tatsächlichen Hintergrund besitzt. Sie ist ein wenig die typische Protagonistin – zurückhaltend, eine beste Freundin und einen schwulen Freund, knallt bei der ersten Begegnung mit dem heißen Typen zusammen usw., doch es wirkt auch nicht aufgesetzt und nervig „typisch“ sondern es passt einfach und durch viele kleine persönliche Besonderheiten ist sie doch mehr. Zum Beispiel ihre Schlagfertigkeit, ihre Vergangenheit, die Auswirkungen dieser auf ihr Leben und immer wieder die Tatsache, dass das eigentlich auch gar nicht ihr „wahres Ich“ ist, um es zu sagen, ohne zu viel zu verraten. Ich mag es auch, wie sie sich innerhalb des Romans entwickelt, da das eines der wichtigsten Bestandteile eines tiefgründigen Charakters ist.
Kommen wir zu Cam. Cam ist ein Traum und auf den ersten Blick ebenso wie Avery der typische Protagonist. Heiß, charismatisch, Mädchenschwarm, witzig, perfekt. Aber auch hier täuscht der Schein. Hinter diesem gutaussehenden Gesicht steckt viel mehr. Mir hat gefallen, dass wir im Laufe des Buches nicht nur herausfinden, dass er ganz und gar nicht so perfekt ist, sondern auch seine Familie kennenlernen. Desto mehr man von Cam erfährt, desto lieber hat man ihn, da jede Kleinigkeit ihn ein Stück weiter weg von dem perfekten Klischee wegträgt und echter wirken lässt.
Die Nebencharaktere sind unglaublich witzig und sympathisch. Da hätten wir Brit, Avereys beste Freundin, die voller guter Laune und Freundlichkeit steckt. Gleichzeitig ist sie jedoch diskret genug, Averey keine Vorwürfe zu machen, wenn diese ihr etwas verheimlicht, obwohl sie genau weiß, dass es so ist. Sie ist also eine tolle und einfühlsame Freundin. Gerne hätte ich über sie jedoch etwas mehr erfahren. Jacob, der schwule beste Freund ist eigentlich ein ziemliches Klischee. Klatsch und Tratsch sind sein zweiter Vorname und in Gedanken über heiße Kerle herfallen sein dritter, doch seine durchgeknallte und klischeehafte Art, die ein Kontrast zu Avereys zurückhaltender ist, macht ihn sehr sympathisch. Der letzte wichtige Nebencharakter ist Ollie, Cams bester Freund und Mitbewohner, den man einfach mögen muss! Er ist witzig und hat eine lockere sympathische Art, die dafür gesorgt hat, dass ich ihn sofort ins Herz geschlossen habe.

Fazit:
Das Buch hat eindeutig einige klischeehafte Züge und ist in dem Sinne natürlich in einigen Punkten vorhersehbar, doch gleichzeitig hat J. Lynn diesen Klischees durch verschiedene kleine und große Charakterzüge, Handlungen und Tatsachen besondere und unvorhersehbare Strukturen verliehen, die das Buch dennoch spannend gestalten. Deshalb bekommt das Buch auch 4 von 5 Sternen.

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4 /5
429 Seiten
Verlag: Piper

Taschenbuch: 9,99€
E-Book: 8,99€

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3 Gedanken zu “Wait For You – J. Lynn

  1. Wow, das Zitat ist schon mal heftig 😮 ! Jennifer L Armentrout gehört auch definitiv zu meinen Lieblingsautoren, weil sie eben -wie du geschrieben hast- den Leser alle möglichen Emotionen durchleben lässt. Klischees in Büchern stören mich manchmal wahnsinnig und manchmal überhaupt nicht. Aber weil ich schon so viel gutes über das Buch gehört habe, muss ich wohl bald damit anfangen, es zu lesen 🙈
    Liebe Grüße, Julia

    Gefällt 2 Personen

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