Die Ungehörigkeit des Glücks – Jenny Downham

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„Wie konnte einem ein ganzer Tag entgleiten?
Wie konnten Erinnerungen an etwas, das Jahre zurücklag, so deutlich sein,
und etwas anderes, das sich erst vor Stunden ereignet hatte,
im Nebel verschwinden?“


Inhalt:

 Drei Frauen, drei Generationen, drei Lebensgeschichten. Die Großmutter der 17-Jährigen Katie lässt nicht nur ihr, sondern auch das Leben ihrer Mutter und ihres Bruders komplett kopfstehen. Mary ist keine normale Großmutter, die man jedes 2. Wochenende besuchen kommt und die Plätzchen macht, wenn man vorbeikommt. Katie trifft sie genau genommen sogar das erste Mal, als das Krankenhaus ihre Mutter anruft, um dieser mitzuteilen, dass Marys Lebensgefährte Jack gestorben und sie als Notfallnummer angegeben sei. Warum das so ist, kann keiner so wirklich nachvollziehen, denn Caroline – Katies Mutter – hat seit Jahren nichts mehr mit ihrer Mutter zu tun gehabt und will es auch jetzt nicht.
So einfach ist es jedoch leider nicht, denn die alte Mary hat Alzheimer und kann deshalb nicht alleine leben. Caroline bleibt somit nichts anderes übrig, als sie bei sich aufzunehmen, erst einmal zumindest, denn sie will sie so schnell wie möglich wieder los werden. Mit ihrem Einzug sorgt Mary für so manche Turbulenzen in der Familie, denn eine energiegeladene, sture Großmutter die Alzheimer hat, eine kontrollsüchtige, tyrannische Mutter, eine Tochter, die versucht herauszufinden, was sie in ihrem Leben eigentlich will und wer sie ist sowie ein 14-Jähriger Bruder mit Entwicklungsstörung, ist ein ziemlich feuriger Mix.
Katie ist von Anfang an fasziniert von ihrer Großmutter und den Geschichten, die sie ihr aus ihrem Leben erzählt, weshalb sie beginnt diese aufzuschreiben. Sie erfährt durch sie so viel Neues über die Vergangenheit ihrer Familie und vor allem ihrer Mutter. Dazu lernt Katie durch Mary endlich, was es heißt sich etwas zu trauen,und gerät somit auf einen unumkehrbaren Weg der Selbstfindung, von dem sie nicht so recht weiß, ob er gut oder in einer Katastrophe endet.

Meine Meinung:

Das Buch hat mich ziemlich überrascht, da ich mir anfangs etwas anderes unter dem Klappentext vorgestellt hatte, denn so stark wie angenommen liegt der Fokus nicht auf den Familiengeheimnissen sondern eher auf dem Leben selbst.
Was mir so sehr an dem Buch gefallen hat, war einfach dieses Wirkliche, Menschliche und Normale. All die Dramen und die Probleme sind einfach so realistisch, dass es sie so überall um uns herum geben kann. Es geht weniger um eine spannende Story oder ein riesiges Geheimnis, als darum, wie verschiedene Menschen mit dem Leben umgehen und wie sie es sehen, denn jede Geschichte und jede Wahrheit hängt vom Auge des Betrachters ab.
Mein liebster Charakter war eindeutig Großmutter Mary. Wie viel Leben die alte Frau in ihrem Alter und trotz der Krankheit noch in sich trägt, finde ich bemerkenswert und auch wenn sie im Leben nicht alles richtig gemacht hat, so wirkte sie auf mich einfach am ehrlichsten zu sich selbst. Ihre Tochter – Katies Mutter Caroline – fand ich hingegen den Großteil des Buches über unglaublich unsympathisch. Diese Frau hat mich mit ihrer tyrannischen Art und ihrer grenzenlosen Kontrollsucht einfach unglaublich aufgeregt und das änderte sich auch erst zum Ende des Buches. Katie lag als jüngste Frau der Familie irgendwo dazwischen was die Sympathie anging. Manchmal war sie mir sehr sympathisch, dann wiederum tat sie etwas, was mich schnauben ließ und sie wieder weniger angenehm machte.
Etwas anstrengend war, dass sich das Buch mit seinen 479 Seiten manchmal ziemlich gezogen hat. Die Story ist in 3 Teile eingeteilt, wobei der 1. der Längste ist, denn er nimmt fast die Hälfte des Buches ein. Inhaltlich fand ich den 3. Teil am spannendsten, während der 1. sich teilweise wirklich gezogen hat, weshalb man manchmal wenig Lust hatte nach einer Pause wieder anzufangen.
Positiv war jedoch der Aufbau der Kapitel. Es gab 3 Arten von Kapiteln: 1. Aus der Sicht von Katie, 2. aus der Sicht von Mary und 3. Marys Vergangenheit, natürlich ebenfalls aus ihrer Sicht. Somit hatte man einen viel besseren Überblick über die Handlung und die Spannung stieg an, denn mir persönlich gefielen die Kapitel aus Marys Sicht sehr. Durch ihre Demenz hat sie eine besondere Art zu denken und die Welt wahrzunehmen, die Kapitel haben dies dabei sehr gut wiedergegeben, vor allem, weil man am Anfang eines Mary-Kapitels nie wusste, wo man sich nun befand, was los war und wer dabei war. Es war als wäre man Mary, die ja oft auch nicht wusste, was vorher geschehen und was gerade los war.
Wie sooft wäre mir die Ich-Perspektive lieber gewesen, zumindest wenigstens bei den Katie-Kapiteln, doch man gewöhnt sich ziemlich schnell daran und durch die Eigenart der Kapitel, die nicht aus Katies Sicht geschrieben sind, würde man auch nie ein Katie und ein Mary Kapitel verwechseln.
Wie bereits bei ‚Bevor ich sterbe‘ lehrt dieses Buch in manchen Teilen für’s Leben und ließt sich deshalb meistens eher ernst und bodenständig. In fremde spannende Welten wird man also nicht entführt, lediglich in Marys Vergangenheit. Schlimm ist es jedoch nicht, denn wenn man gerne realitätsbezogene ‚echte‘ Bücher ließt, kann ich es nur empfehlen, auch weil es einen etwas lehrt. Aufgrund der Tatsache, dass es sich an manchen Stellen etwas gezogen hat, was sich auf die Leselust ausgewirkt hat und weil ich irgendwie doch lieber etwas mit mehr Fantasy oder Drama lese (das ist aber Geschmackssache!), bekommt das Buch von mir 3 1/2 von 5 Sternen.

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3 1/2 /5
479 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann

Gebundene Ausgabe: 19,99€
Kindle: 15,99€

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6 Gedanken zu “Die Ungehörigkeit des Glücks – Jenny Downham

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