Blutpsalm – Meredith Winter

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„Nun hat diese Hure es auch noch geschafft, unseren Pastor zu verderben,
dachte das dunkle Etwas, dessen Umrisse von der Finsternis verschluckt wurden.
Das Kaminfeuer war inzwischen längst erloschen.
Zwei gezielte Stiche in die Brust und das Dorf wäre wieder reingewaschen von der Sünde,
überlegte die ungebetene Person im Stillen, ehe es das Messer betrachtete,
welches nach wie vor gänzlich mit Blut beschmiert war.“


Inhalt:

Pastor Jonathan lebt in der altmodischen und meist eher langweiligen Gemeinde Sommerburg. Die dort lebenden 800 Menschen kennen sich nicht nur alle, sie wissen auch alles übereinander – oder zumindest glauben sie das. Geheimnisse scheint keiner zu haben. Alle sind korrekt, anständig und religiös. Allen voran ihr Vorbild Pastor Jonathan, der in den Träumen vieler älterer Damen den Ehegatten ihrer Töchter darstellt. Doch der Pfarrer lebt enthaltsam, denn er glaubt an die wahre Liebe und die hat er in dem Städtchen noch nicht gefunden.
Als eines Tages der Bürgermeister tot mit einem Fleischermesser in der Brust im Schnee liegt, erschüttert dies die ganze Gemeinde. Und bei ihm hört es noch lange nicht auf. Weitere Morde und keine Spur, wer der Täter sein könnte. Der einzige Anhaltspunkt ist, dass die Morde irgendwie mit einer Prostituierten zusammen hängen. Mit der, in die sich ausgerechnet der Pastor Hals über Kopf verliebt hat. Offensichtlich gibt es in der kleinen Gemeinde doch deutlich mehr Geheimnisse, als alle zuzugeben bereit sind…

Meine Meinung:

Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich ganz, ganz herzlich bedanke!

Cover:
Ich finde das Cover eigentlich ganz gut gelungen und auf jeden Fall passend zum Inhalt. Ich mag besonders die Schrift und das Schwarz-Weiß, da es meiner Meinung nach gut zu einem Thriller passt und die Schrift altmodisch wirkt, was zum Dorf und natürlich auch zu Pastor Jonathan passt. Das Kreuz finde ich sehr passend, doch irgendwie passt es nicht ganz. In größer und in anderem Stil wäre es vielleicht so, wie ich es mir perfekt vorstelle. Der Blutfleck ist ein super Kontrast und gefällt mir sehr gut.

Schreibstil:
Der Ladythriller ist in Form des Er/Sie-Erzählers aus der Sicht der Prostituierten Marlene und des Pastors Jonathan geschrieben, wobei einige Abschnitte die Sicht des Mörders darstellen und ein paar ab und an auch die einiger Nebencharaktere. Mir hat der Schreibstil gut gefallen. Der Wechsel der Sichtweisen hat Spannung und Abwechslung in die Handlung gebracht. Allgemein lässt es sich gut, flüssig sowie abwechslungsreich geschrieben, was mir immer sehr wichtig ist. Es ist nicht durchgehend ernst sondern bringt einen auch ab und an zum Schmunzeln.
Hier und da haben sich kleine Schreibfehler eingeschlichen, jedoch waren sie nicht all zu störend und selbst bei großen Verlagen hatte ich schon mehr. Die Meisten, die ich entdecken konnte waren Flüchtigkeitsfehler, indem Wörter beispielsweise aus Versehen doppelt geschrieben wurden.

Story:
Der Fokus liegt nicht nur auf den Morden sondern auch auf der Liebesgeschichte zwischen zwei, die sich eigentlich nicht lieben dürfen und der Bewältigung ihrer Probleme aus der Vergangenheit. Ein Pastor und eine Prostituierte. Eigentlich ein No-Go und umso pikanter, dass genau das passiert.
Und dann ist es auch noch Liebe auf den ersten Blick. Ich fand das sehr abwechslungsreich, da es zwar natürlich sehr tragisch und „unrealistisch“ ist, wie die Meisten sagen, weil „Liebe auf den ersten Blick“ etwas ist, was es laut vielen in Wirklichkeit nicht gibt, doch schlecht finde ich das nicht, denn es ist doch realistisch mit Problemen und Hindernissen geschrieben. Außerdem ist es mal etwas anderes als das dauernde: Sie steht auf ihn, aber gibt es nicht zu, er ist ein Arsch, aber steht im Geheimen die ganze Zeit auf sie und so weiter. Nein, das ist ganz anders. Es hat eindeutig die altmodische und romantische Ader in mir sehr positiv angesprochen.
Die Morde und der Mörder sind ebenfalls sehr fesselnd gestaltet. Man kommt nicht so einfach darauf, wer es sein könnte und bekommt dennoch immer wieder kleine Informationshappen über den Täter, die die Spannung und Neugierde aufrecht erhalten. Die Hintergründe der Morde finde ich ebenfalls originell und es bleibt bis zum Ende spannend.
Nicht so gut gefallen hat mir, dass einige Handlungen zu schnell aufeinander zu folgen schienen. Die Spannung blieb zwar so fast permanent hoch, doch man hatte ab und an das Gefühl es ist zu viel, da es dann etwas übertrieben war.

Charaktere:
Da das Buch eher kurz ist und es dadurch, dass ein ganzes Dorf in der Handlung immer wieder vorkommt, viele Nebencharaktere gibt, sind die Meisten von ihnen nicht besonders vielschichtig, was aber auch viel zu verwirrend und kompliziert geworden wäre. Denn diese Eindimensionalität macht das Dorf und seine Bewohner aus.
Pastor Jonathan, der den männlichen Protagonisten darstellt, ist dabei natürlich eine Ausnahme. Er ist ein sehr sympathischer Charakter und wirklich nicht der typische männliche Protagonist. Er ist wirklich süß in seiner altmodischen Art und mit seiner Unbeholfenheit gegenüber der Frau, in die er sich so plötzlich verliebt hat. Aber trotz dieser Korrektheit und Zurückhaltung ist er nicht ‚unmännlich‘, denn er hat es – was man ihm anfangs gar nicht zutraut – faust dick hinter den Ohren. Er ist eindeutig selbstbewusst und humorvoll, was er jedoch meist hinter dem „Pfarrer“ versteckt.
Marlene ist ebenfalls viel mehr, als man anfangs ahnt. Sie ist selbstbewusst und doch zerbrechlich, stur, sexy und selbstlos. Eigentlich will ich über sie nicht zu viel sagen, da man sie beim Lesen selbst kennenlernen sollte. Ich mag es, dass sie eine eher unüblichen Beruf hat, der einen schlechten Ruf hat, da sie zeigt, dass das auch nur normale Menschen sind.

Fazit:
Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Es ist abwechlungsreich, spannend und wirklich süß. Mit etwas mehr Seiten wäre es womöglich noch besser geworden, da sich dann die Handlungen nicht so überschlagen hätten und es glaubwürdiger und weniger hektisch gewesen wäre. Da es mir sonst aber gut gefallen hat, bekommt es von mir 4 von 5 Sternen. (Ich habe die ganze Zeit zwischen 3,5 und 4 geschwankt, das ist immer so schwierig!)

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4/5
208 Seiten
ISBN: 978-3-981872-21-7
Verlag: SommerBurg

Taschenbuch: 9,99€

 

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